OSCemote – OSC Controller für Mobile OSX

Love it or hate it: Das iPhone, bzw. sein kleiner Bruder, der iPod touch, ist eines der spannendsten technischen Gadgets der letzen Jahre. War vor zwei Jahren Multitouch Technik nur sündhaft teuren Geräten, wie dem Jazzmutant Lemur vorenthalten, gibt es jetzt bereits für knapp 200 Euro streichelfreundliche Displays zu kaufen. Die Öffnung der Mobile OSX Plattform für Entwickler brachte einen ganzen Schub mehr oder weniger innovativer Musikapplikationen mit sich. Während ich viele eher für Spielzeug halte, haben es mir besonders die OSC (Open Sound Control) Controller angetan.

OSC Nachrichten lassen sich per WLAN übertragen und können auf dem Zielrechner mit Tools wie OSCulator oder eigenen Max/pd/SuperColliderPatches problemlos in MIDI Ereignisse umgesetzt werden. Somit lässt sich jegliche Art von kommerzieller Software steuern. Das volle Potential erreicht man jedoch erst, wenn man die hochauflösenden OSC Signale nicht erst auf die 7-Bit Wortbreite von MIDI abbilden muss. Leider gibt es fast noch keine kommerzielle Musiksoftware die mit OSC zurecht kommt. Dem echten Music Nerd ist das aber natürlich egal – who needs MIDI anyway?

Besonders angetan hat es mir OSCemote von Joshua Minor. Neben klassischen Kontrollmöglichkeiten, wie Buttons und Fadern, lässt sich mit ihm der Beschleunigungssensor des kleinen Wundergerätes auslesen. Einen Wii Ersatz stellt es für mich jedoch nicht dar, da dem iPod touch/iPhone sowohl ein rutschfester Halt als auch die Sicherheitsschlaufe fehlen – zum experimentieren trotzdem eine tolle Sache. Ein weiteres cooles Feature, dass ich allerdings selber noch nicht eingesetzt habe, ist das Erstellen eigener Controller in HTML/JavaScript. Dabei wird dem Mobile Safari Browser ein weiteres Protokoll hinzugefügt. Eigentlich eine clevere Idee.

Das für mich beste Feature ist jedoch der Multitouch Controller. Hierbei werden Positionsdaten von bis zu fünf Fingern gleichzeitig über das auf OSC aufbauende, und durch den Reactable bekannte, TUIO Protokoll an den Mac oder PC geschickt. Mit etwas Programmiergeschick lassen sich hiermit ganz eigene Controllerregeln entwerfen. Vom einfachen X/Y Controller bis zu komplexen Gestensteuerungen ist hier alles möglich. Eventuell werde ich demnächst ein paar SuperCollider Beispiele posten.

Ganz ohne Kritik kommt OSCemote jedoch nicht davon. Aus zwei Gründen würde ich nicht unbedingt damit Live auftreten wollen: Zum einen sind die Fader/Slider viel zu klein. Bei einem hektischen Liveauftritt würde man mit Sicherheit öfters danebengreifen. Zum anderen lassen sich die verschiedenen Controller-Ansichten nicht sperren. So ist es mir öfters passiert, dass ich beim Spiel mit dem X/Y Controller versehentlich eine andere Ansicht aufgerufen habe. Manchmal bleiben auch einzelne Sensorpunkte im Multitouch Controller hängen. Ich hoffe aber, dass dieses Problem mit dem nächsten Update behoben wird.

OSCemote ist leider nicht kostenlos im App-Store erhältlich. Die 3,99 € habe ich jedoch sehr gerne bezahlt, denn schließlich geht ein Großteil direkt an den Entwickler dieses wunderbaren Tools. Danke Josh!

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